13 als Unglückszahl? Nicht bei diesem Projekt!

Je 13 Schüler des Eschweiler Berufskollegs und des Kollegs der Staatlichen Universität im russischen Pskov treffen sich zum Austausch.

Zivilcourage hat viele Gesichter“ – unter diesem Projekttitel arbeiteten je 13 Schülerinnen und Schüler des Berufskollegs Eschweiler und des Kollegs der Pskover Staatlichen Universität bereits im Winter in Eschweiler und an der Europäischen Akademie in Otzenhausen. Jetzt fand der Gegenbesuch in der russischen Stadt Pskov statt, wobei die Schüler in den Familien ihrer Gäste und die begleitenden Lehrer im Studentenwohnheim untergebracht waren.

Austausch
Die Schüler aus Deutschland und Russland verstanden sich auf Anhieb gut. Weitere Besuche sind bereits geplant. Foto: Igor Savraev

Mutiger Widerstand

Der Leitgedanke der Zivilcourage begleitete das gesamte Projekt. Beispiele dafür fanden sich bei den russischen Partnern sowohl in den Denkmälern der alten Hansestadt, als auch im Kloster Petschory an der Grenze zu Estland, das nur aufgrund des mutigen Widerstandes seines Abtes in der Chruschtschow-Ära der Zerstörung entgehen konnte. Exemplarisch für aktiven Widerstand und mutiges Einstehen für die eigenen Lebensideale präsentierten die russischen Schüler die Lebensentwürfe von Andrei Sacharow, Alexander Solchenizyn und Josef Brodski. In ihrem heutigen Alltag erscheint den meisten Jugendlichen das mutige Eingreifen bei körperlicher und psychischer Gewalt als Ausdruck von Zivilcourage. So entwickelten die deutschen und russischen Schüler Drehbücher für drei Kurzfilme zum Thema, die mit technischer Unterstützung des Teams vom Universitätsfernsehen der Pskover Universität realisiert wurden.

Um die grundlegende Verständigung zu gewährleisten, erhielten die deutschen Schüler von ihren Gästen mehrmals Russischunterricht. Natürlich lernten sie in dem einwöchigen Aufenthalt auch das Kolleg mit seinen unterschiedlichen Fachbereichen kennen. Die Aufnahme war besonders herzlich, da die meisten Schüler aus Pskov noch nie die Gelegenheit hatten, sich mit deutschen Gästen zu unterhalten und den Besuch der 16-köpfigen Delegation aus Eschweiler als besondere Wertschätzung empfanden. So wurden auch bereits Privatbesuche in Eschweiler und Pskov für die Sommerferien geplant und einige russische Schüler drückten die Hoffnung aus, bei einem der nächsten Projekte mit nach Deutschland kommen zu dürfen.

Einen weiteren Höhepunkt stellte der abschließende Besuch in Sankt Petersburg dar, von wo aus der Heimflug angetreten wurde. Leider war ein halber Tag zu knapp, um mehr als einen oberflächlichen Eindruck von den Sehenswürdigkeiten des „Venedig des Nordens“ zu erhalten, dessen Kanäle und Flüsse noch zugefroren waren. Alle waren sich einig, dass diese Stadt einen weiteren Besuch im Sommer verdient hat und dass man versuchen sollte, die nächsten Projekte in die wärmere Jahreszeit zu verlegen. Ein besonderer Dank gilt der Stiftung Deutsch-Russischer-Jugendaustausch, die erneut das deutsch-russische Projekttreffen finanziell grundlegend unterstützte und dadurch erst ermöglichte. Die Partnerschaft zwischen dem Berufskolleg Eschweiler und dem Kolleg der Pskover Staatlichen Universität besteht bereits seit elf Jahren und zeigt, dass die deutsch-russischen Beziehungen „im Kleinen“ kontinuierlich von Warmherzigkeit, Freundschaft und gegenseitiger Wertschätzung geprägt sind. Dafür sind auch die für die Projektdurchführung zuständigen Pädagogen Evi Spennes, Michael Joußen und Benjamin Pinkerneil bereit, trotz der nicht immer einfachen Rahmenbedingungen die Schulpartnerschaft weiter aufrechtzuerhalten und mit neuen Inhalten zu füllen.

Quelle: Eschweiler Zeitung vom 25. März 2017