150 Jahre Berufskolleg Eschweiler

Einst 15 Jungs, jetzt mehr als 2000 Schüler

150 Jahre Berufskolleg Eschweiler (BKE): wenn das kein Grund zum Feiern war. Im Pädagogischen Zentrum des BKE an der August-Thyssen-Straße begrüßte Schulleiter Thomas Gurdon am Mittwochnachmittag unter anderem den stellvertretenden Städteregionsrat Axel Wirtz, den stellvertretenden Bürgermeister Eschweilers Wilfried Berndt sowie Claudia Wiemann von der Bezirksregierung Köln als Gäste eines kleinen Jubiläums-Festaktes.

Multivision
Großes Gefühlskino und astreine Musik boten Ela und Sascha Pütz bei der 150-Jahr-Feier des Berufskollegs Eschweiler. Foto: Paul Santosi

Es war eine informative und unterhaltsame Begegnung mit der Vergangenheit und der Gegenwart einer nicht mehr wegzudenkenden Schul-Institution.

1868 gestartet

Gestartet 1868 als „Berufsschule im handwerklichen Bereich“ mit knapp 50 Jungs, entwickelte sich das heutige Berufskolleg zu einer Ausbildungsstätte für über 2000 Schülerinnen und Schüler, das zu Recht stolz auf Kompetenz-Vermittlung, Vielfalt und Toleranz sein kann. Festrednerin Claudia Wiemann brachte es auf den Punkt. Berufskolleg Eschweiler, das sei echte Standortsicherung mit einer dualen Berufsausbildung, die den gleichen hohen Stellenwert in der öffentlichen Anerkennung haben sollte wie ein Studium. Und auch Integration, wie heutzutage so oft gefordert, beginne hier bereits praktisch bei der beruflichen Bildung.

Denise Büsch als charmanter Moderatorin und Christoph Happe in seiner Rolle als authentisch-historisch gekleideter „Spezialdirektor Ludwigs“ oblag es, die einzelnen Elemente der Feier zu verbinden. Da war zunächst einmal das Gespräch mit Günter Spennes, der zwischen 1947 und 1951 zu den Schülern der damaligen Berufsschule in der Rosenallee 25 zählte. Er bestätige, dass sich mit Fug und Recht seit seiner Schulzeit viel zum Positiven verändert habe. Riesig gefreut hat sich zudem der Ambulante Hospizdienst Eschweiler-Stolberg, der aus den Einnahmen des Sponsorenlaufs des BKE die stattliche Spendensumme von 4500 Euro entgegennehmen durfte.

Schulleiter Thomas Gurdon, der sich selbst nach den Vorbereitungs-Wehen der Veranstaltung als „Mann ohne Nerven“ bezeichnete, spannte einen Bogen über 150 Jahre BK-Geschichte und verquickte diesen mit den wesentlichen Errungenschaften aus Technik und Geschichte dieses langen Zeitraumes. Schule, das war Mitte des 19. Jahrhunderts eine völlig andere Sache. Hätten Sie gewusst, dass im Jahre 1868 ein Schuljahr noch in Form eines Goldtalers bezahlt werden musste? Da sehe die Welt heute doch etwas freundlicher aus. Der Rückblick des Schulleiters enthielt auch hochaktuelle gesellschaftliche Aspekte. Im Hinblick auf dumme wie gefährliche Meinungsströmungen unserer Gegenwart äußerte sich Thomas Gurdon unter großem Applaus eindeutig: „Nationalismus ist keine Alternative, sondern eine Katastrophe“. Bei allem Respekt: Bierernst ging es nicht nur zu bei der 150-Jahr-Feier im BKE. Zwar wurde die eigens zu diesem Anlass produzierte Chronik am Mittwoch nicht rechtzeitig von der Druckerei angeliefert, aber das hielt den Hausherrn nicht davon ab, diesen hauchzarten Fauxpas als Running Gag in seinen Vortrag mit einzubauen.

Und was wäre die schönste Feier ohne Musik? Der Chor der Lehrerinnen und Lehrer des BKE brachte das geheime Motto der Schule mit dem Song „Nimm Dein Leben in die Hand“ harmonisch auf die Bühne. Das „150-Jahre-Lied“ war als zweite Gesangseinlage eine hübsche kleine Hommage an Schule und den Lehrerberuf, in dem sich sicher das gesamte Kollegium wiederfinden konnte.

Zeugnistag

Stolz kann das BKE außerdem auf das Gesangs- und Gitarren-Duo Ela und Sascha Pütz sein. Es ist selten, in diesen Tagen noch musikalische Beiträge des unvergleichlichen Poeten und Liedermachers Reinhard Mey hören zu dürfen. Sein „Zeugnistag“ ist die Geschichte eines kleinen Jungen, der ein ganz übles Zeugnis mit nach Hause gebracht hat und zum Schluss erkennt, wie die Liebe seiner Eltern Angst und Misserfolg einfach wegwischen. Der gekonnt wie äußerst berührend vorgetragene „Zeugnistag“ war ein tolles Beispiel dafür, welche Emotionen in den meisten von uns beim Thema Schule auch nach Jahren noch abrufbar sind.

Quelle: Eschweiler Nachrichten vom 24. November 2018