Fahrlässige Nutzung von Rohstoffen

Multivisionsschau zum Umgang mit den Ressourcen der Erde macht Station am Berufskolleg Eschweiler

Nachhaltigkeit ist ein wichtiges Thema, mit dem man immer wieder konfrontiert wird. Bereits viele junge Menschen wissen das, aber nicht immer können sie sich konkret etwas darunter vorstellen. Um das zu ändern, bietet die Initiative Multivision Veranstaltungen speziell für Schüler an. Mit ihrer Multivisionsschau zum Thema „Reduse: Über unseren Umgang mit den Ressourcen der Erde“ waren sie nun am Berufskolleg Eschweiler zu Gast.

Multivision
Referent Jonas Laß von Multivision zeigte mit Hilfe des Publikums, welcher Anteil der Weltbevölkerung zu den Reichen zählt und wer auf der Strecke bleibt. Fotos: Caroline Niehus

Insgesamt etwa 600 Schüler erhielten in drei Veranstaltungen Einblicke in die aktuelle Debatte um Ressourcenknappheit. In drei Teilen zeigte Referent Jonas Laß, wo die größten Probleme liegen und was dagegen getan werden kann. Nach einem Vortrag sahen die Schüler einen Film, in dem die wichtigsten Konzepte zum Helfen erläutert wurden. Die anschließende Diskussion zeigte, welche Dinge sie im Alltag besonders beschäftigen.

Grundkapital der Natur

Die unfaire Aufteilung der Ressourcen wurde ebenso thematisiert wie die überproportionale Nutzung. Laß zeigte mit Hilfe der Zuhörer das Problem der Ungerechtigkeit auf. Er ließ etwa ein Viertel des Publikums aufstehen und zeigte so anschaulich das Verhältnis derer, die in der Welt als reich angesehen werden, zu den restlichen drei Vierteln. Doch das reiche Viertel verbrauche schon 75 Prozent der Ressourcen, so dass für den Rest nur noch 25 Prozent übrig blieben. Reichtum bezog sich in dem Fall nicht nur auf Geld und materielle Dinge, sondern vor allem auf Nahrungssicherheit, medizinische Grundversorgung, Bildung und Perspektiven.

Im weiteren Verlauf hatte Laß auch ein lebensnahes Beispiel für die Nutzung der Ressourcen parat. Anhand eines Bankkontos und den Zinsen stellte er dar, wie wir Menschen momentan leben. Würde die Bevölkerung nur die Menge an Ressourcen nutzen, die sie sozusagen als Zinsen wieder aus dem Grundkapital erhält, würden die Ressourcen nie zu Ende gehen, ähnlich wie bei Vermögen, von dem man nur die Zinsen, also den Überschuss, verwendet.

Im Zuge dessen wurde jedoch klar, dass die Menschen sich nicht nur an den Zinsen der Natur bedienen, sondern auch am Grundkapital. Das ist laut Laß fatal: „Weniger Naturbestand bedeutet auch, dass weniger nachwächst.“ Das ginge genau so lang weiter, bis die Rohstoffe aufgebraucht seien. „Wir können die Natur also nutzen, obwohl die Ressourcen für ein Jahr bereits verbraucht sind, das geht allerdings nicht ewig“, gab Laß zu bedenken.

Das Resultat daraus ist der sogenannte Earth Overshoot Day – der Tag, an dem die Ressourcen für das laufende Jahr verbraucht sind. Dieser Zeitpunkt wandert seit Jahren weiter nach vorne. Lag er 1970 noch am 21. Dezember, so hatte er sich 1990 bereits zum 13. Oktober verlagert. In diesem Jahr lag der Tag so früh wie noch nie: am 1. August.

Jonas Laß ist es besonders wichtig zu betonen, dass jeder einzelne einen Unterschied machen kann. „Es sind nicht nur die Politiker oder Unternehmen, die etwas ändern können, jeder kann das selbst in die Hand nehmen“, lautet sein Appell. Dazu ist er bereits seit 2012 mit Multivision an Grundschulen, weiterführenden Schulen und Berufskollegs unterwegs. Etwa 70 bis 100 Veranstaltungstage absolviert er im Jahr.

Schuld erzeugt Abwehrreaktion

„Es ist wichtig, die Hintergründe und Konzepte in die Lebenswirklichkeit der jungen Menschen zu bringen“, findet er. Das geschehe bei Multivision alles ohne gehobenen Zeigefinger, sondern durch das Gespräch. Denn niemand solle denken, dass er die Schuld an etwas trägt, das erzeuge automatisch eine Abwehrreaktion. „Aber jeder muss merken, dass er nicht bewusst umweltschädlich lebt, das sind eingespielte Normalitäten“, so Laß.

Diese wollen die Schülerinnen Yasmine Sinsilewski und Kimberly Kröger jetzt noch mehr überdenken. „Ich besitze sechs alte Handys, die ich nicht nutze“, erzählt Yasmine, „ich werde mich informieren, wo ich sie recyceln kann.“ Denn die beiden haben gelernt, dass in alten Handys wertvolle Rohstoffe vorhanden sind, die nicht nachwachsen. Auch Kimberly möchte die neuen Erkenntnisse mit Eltern und Freunden teilen – und auch im Berufskolleg etwas tun: „Wir könnten noch mehr auf die Mülltrennung achten und unsere Pfandflaschen recyceln!“

Quelle: Eschweiler Nachrichten vom 27. September 2018