Auf dem richtigen Bildungsweg?

Berufskolleg Eschweiler präsentiert sich Schülern beim Informations- und Anmeldetag. Am Morgen bereits 62 Anmeldungen über das Online-Portal – allerdings ohne Beratung.

„Mein Gefühl und meine Erfahrung sagen mir, dass Berufskollegs immer wichtiger werden als Schnittstelle zwischen den Wünschen der Schüler und den Anforderungen der Ausbildungsbetriebe“, ist Thomas Gurdon, Leiter des Berufskollegs Eschweiler, überzeugt. Demgegenüber steht jedoch die Feststellung, dass das Wissen über die Möglichkeiten, die die neun Berufskollegs an zehn Standorten innerhalb der Städteregion Aachen bieten, vergleichsweise gering ist.

Informationstag

Information und Beratung aus erster Hand: Schulleiter Thomas Gurdon (2. v. l.) und Lehrer Florian Neumann im Gespräch mit möglicherweise zukünftigen Schülern des Berufskollegs Eschweiler. Foto: Andreas Röchter

Information und die Wahrnehmung von Beratungsangeboten tut also Not. Am Samstag hatten nun junge Menschen die Gelegenheit, während des Informations- und Anmeldetags einen Blick in die Einrichtung an der August-Thyssen-Straße zu werfen und im Gespräch mit den Beratungslehrern viel über die zahlreichen Bildungsgänge, die die Schule anbietet, zu erfahren.

Qualifikation reicht häufig nicht

Generell sei die Ausgangslage für die aktuellen und zukünftigen Schüler ausgezeichnet: „Die Betriebe suchen händeringend nach Auszubildenden und auch die Zahl der Schüler ist vorhanden. Allerdings reicht die Qualifikation häufig nicht aus. Dann kommen wir ins Spiel mit der Aufgabe, Kompetenzen in Theorie und Praxis zu vermitteln“, so Thomas Gurdon. Dies beinhalte nicht zuletzt auch eine verstärkte Konzentration auf den Sprachunterricht. „Nicht wenige Flüchtlinge gehen Stück für Stück ihren Weg durch die Berufskollegs.

Deshalb lautet für uns eine der größten Herausforderungen, den Sprachunterricht in allen Bereichen zu implementieren“, so der Schulleiter. Um dies möglichst zielgenau umsetzen zu können, stimmen sich die Verantwortlichen des Berufskollegs zum Beispiel im Rahmen konkreter Treffen mit den Verantwortlichen der Adam-Ries-Schule, Gemeinschaftshauptschule der Stadt Eschweiler, als eine von insgesamt 147 „Zubringerschulen“ ab.

„An diesen Gesprächen sind neben Lehrerinnen und Lehrern auch unsere Schulsozialarbeiterinnen Gabi Kämpfe, Rita Ruhland und Monika Stephan beteiligt, die in unserem Schulalltag immer wichtigere Rollen einnehmen“, unterstreicht Thomas Gurdon, der zu Beginn des Informations- und Anmeldetags am Samstagmorgen um 9 Uhr bereits 62 über das Portal „Schüler Online“ erfolgte Anmeldungen registrieren konnte. „Einerseits ist dies natürlich erfreulich. Auf der anderen Seite sind diese Anmeldungen ohne persönliche Beratungen erfolgt. Dies birgt Risiken. So ist nicht auszuschließen, dass wir in einem halben Jahr erleben, wie Schüler feststellen, den für sie falschen Bildungsweg eingeschlagen zu haben“, spricht der Schulleiter aus Erfahrung.

Doch natürlich sind Schulabschlüsse am Berufskolleg zur Not auch über Umwege möglich. Voraussetzung dafür sei selbstverständlich die Leistungsbereitschaft der Schüler und eine realistische Selbsteinschätzung. „Sind diese Tugenden vorhanden, bieten wir den Schülern zahlreiche Möglichkeiten, sich in die Richtung ihres Berufswunsches zu bewegen“, erklärt Thomas Gurdon.

Quelle: Eschweiler Nachrichten vom 12. Februar 2019